Skandal um Waisenhaus in Kanada: Katholische Kirche entschädigt Missbrauchsopfer

In einem der größten Missbrauchsskandale Kanadas hat die katholische Kirche beschlossen, Hunderten Opfern eine Entschädigung in Millionenhöhe zu zahlen. Über Jahrzehnte hinweg kam es in einem Waisenhaus in Neufundland zu sexuellen Übergriffen.

Eine Entschädigung, die längst überfällig ist

Die katholische Kirche in Kanada hat angekündigt, Entschädigungszahlungen in Höhe von umgerechnet 70 Millionen Euro an die Opfer zu leisten. Diese Maßnahme betrifft das Erzbistum St. John und wurde in einer Erklärung bekannt gegeben, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Insgesamt 292 Betroffene erhalten jeweils zwischen umgerechnet etwa 37.100 und 573.000 Euro als Entschädigung.

Missbrauchsskandal im Mount Cashel Orphanage

Das Erzbistum St. John war 2020 für einen der größten Missbrauchsskandale in Kanada verantwortlich gemacht worden. Die Übergriffe durch Priester und andere kirchliche Amtsträger fanden im Mount Cashel Orphanage statt, einem inzwischen aufgelösten Waisenhaus für Jungen in der Provinz Neufundland und Labrador. Die Übergriffe begannen im Jahr 1940 und erstreckten sich über mehrere Jahrzehnte. Im Jahr 2021 meldete die Erzdiözese St. John Konkurs an.

Erste Hinweise und das Verschweigen des Skandals

Bereits in den 1970er-Jahren gab es erste Hinweise auf den Missbrauch. Die ersten Vorwürfe wurden 1987 laut, als Anschuldigungen gegen einen Priester erhoben wurden. 1989 wurde das ganze Ausmaß des Skandals publik. Es stellte sich heraus, dass bereits in den 1970er-Jahren Polizeiermittlungen durch das örtliche Justizministerium unterdrückt worden waren. Die systematische Vertuschung führte dazu, dass die Opfer über Jahrzehnte hinweg keine Gerechtigkeit erfahren konnten.

Ein langer Weg zur Gerechtigkeit

Ein Opferanwalt erklärte gegenüber der AFP, dass der jetzt zugesagte Betrag „ähnlichen Entschädigungen von anderen Gerichten“ entspreche. Er betonte, dass das Ausmaß des Problems und die Verbreitung des Missbrauchs lange Zeit nicht vollständig erfasst wurden. Dennoch zeigte er sich optimistisch, dass die Opfer den vollen vom Gericht zugesprochenen Betrag erhalten würden. Um die Entschädigungsgelder aufzubringen, mussten die zuständigen Kirchenstellen mehrere Gotteshäuser und andere Besitztümer verkaufen.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Die Entschädigungszahlungen sind ein wichtiger Schritt, um das Leid der Opfer anzuerkennen und ihnen zumindest finanziell eine gewisse Wiedergutmachung zukommen zu lassen. Doch Geld kann die seelischen Wunden, die durch jahrzehntelangen Missbrauch und die Vertuschung des Skandals entstanden sind, nicht heilen. Es bleibt zu hoffen, dass die katholische Kirche aus diesem Skandal lernt und künftig alles dafür tut, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen.

Fazit

Der Missbrauchsskandal im Mount Cashel Orphanage in Neufundland ist ein düsteres Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche in Kanada. Die nun zugesagten Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe sind ein längst überfälliger Schritt zur Wiedergutmachung. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in der Kirche daraus lernen und sich solche Verbrechen niemals wiederholen. Die Opfer verdienen nicht nur finanzielle Entschädigung, sondern auch Anerkennung und Unterstützung auf ihrem Weg zur Heilung.

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