Die Vogelgrippe breitet sich weltweit aus, und mit ihr gehen Falschmeldungen und Verschwörungstheorien viral. Zwischen angeblichen Impfplänen und geheimen Gipfeltreffen kursieren zahlreiche Gerüchte. Die Schuldigen sind immer die gleichen, und die Fakten bleiben auf der Strecke.
Die Realität der Vogelgrippe
Das Vogelgrippevirus H5N1 ist derzeit unter Nutz- und Wildtieren weltweit verbreitet. Auch in den USA wurden Fälle bei Menschen gemeldet. Dies ruft Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Auf Plattformen wie X wird behauptet, das Virus sei absichtlich freigesetzt worden, um Pandemien auszulösen. Sogar bekannte Persönlichkeiten wie Bill Gates werden beschuldigt, im Hintergrund die Fäden zu ziehen und mit Impfstoffen Geld verdienen zu wollen. Tatsächlich gibt es dafür jedoch keinerlei Beweise.
BioNTech im Visier
Pharmaunternehmen wie BioNTech sind ebenfalls Ziel der Verschwörungstheorien. Aussagen von BioNTech-Finanzchef Jens Holstein wurden aus dem Zusammenhang gerissen und fälschlicherweise mit der Vogelgrippe in Verbindung gebracht. In Wirklichkeit bezogen sich seine Aussagen auf die erwarteten Umsätze durch COVID-19-Impfstoffe und hatten nichts mit der Vogelgrippe zu tun. Trotzdem wird dem Unternehmen Insiderwissen und die Planung einer neuen Pandemie unterstellt.
Falsche Behauptungen und die WHO
Eine weitere Falschmeldung besagt, dass die WHO beschlossen habe, Menschen, die gegen Vogelgrippe-Impfungen sind, zu inhaftieren. Diese Behauptung ist völlig erfunden. In einer tatsächlichen Pressemitteilung der WHO ging es um die Festlegung einer gemeinsamen Definition eines Pandemie-Notfalls und nicht um irgendwelche Inhaftierungen.
Alte Muster, neue Verschwörungen
Die Muster der Falschbehauptungen sind aus der Corona-Pandemie bekannt. Sie richten sich gegen Regierungen, Pharmaunternehmen und Wissenschaftler und unterstellen geheime Absprachen. „Verschwörungserzählungen haben immer ein Kernnarrativ: Eine kleine Gruppe vermeintlicher Verschwörer verfolgt ein illegitimes und bösartiges Ziel“, erklärt Josef Holnburger von CeMAS. Menschen, die an eine Verschwörung glauben, neigen dazu, auch an weitere zu glauben, was zu einem geschlossenen Weltbild führt.
Das ominöse Gipfeltreffen
Besonders kurios ist die Geschichte eines angeblichen „Internationalen Vogelgrippe-Gipfels“ in der Nähe von Washington. Auf verschiedenen Plattformen wird behauptet, hier werde eine kommende Vogelgrippe-Pandemie durchgespielt. Eine Webseite des angeblichen Gipfels wirkt zwar seriös, aber die dort aufgeführten Informationen sind zweifelhaft. Keiner der angeblichen Sprecher hat bestätigt, dort zu sprechen, und die Verlinkungen funktionieren nicht. Es scheint, dass die Webseite darauf abzielt, Teilnahmegebühren zu kassieren und persönliche Daten für Betrug zu sammeln.
Verbreitung in Zeiten von Unsicherheit
Warum verbreiten sich solche Desinformationen? Laut Holnburger geschieht dies besonders in unsicheren Zeiten. Verschwörungserzählungen bieten vermeintliche Antworten, wenn die Lage unklar ist. Sie entwickeln sich weiter und integrieren neue Ereignisse, behalten aber ihre Grundstruktur und Feindbilder bei.
Fazit
Die Verschwörungserzählungen rund um die Vogelgrippe H5N1 sind ein weiteres Beispiel dafür, wie schnell Falschinformationen in unsicheren Zeiten verbreitet werden können. Es ist wichtig, kritisch zu bleiben und Fakten von Fiktion zu unterscheiden. Nur so kann man sich gegen die viralen Fehlinformationen schützen und ein klares Bild von der Realität behalten.
Verschwörungserzählungen zur Vogelgrippe gehen viral (Tagesschau)
