„Der Zeitdruck steht über allem“
Verteidigungsminister Boris Pistorius besucht in diesen Tagen mehrere Bundeswehrstandorte, um sich ein Bild vom Fortschritt der Zeitenwende zu machen. Der Besuch im Luftwaffen-Stützpunkt Büchel zeigt jedoch, dass die Veränderungen möglicherweise teurer werden als ursprünglich geplant.
Boris Pistorius, dem neuen Marathon-Man der Bundeswehr, geht die Puste aus, als er den Tower des Fliegerhorsts Büchel erklimmt. Kein Wunder, schließlich absolviert er in nur fünf Tagen eine Tour durch sechs Bundesländer – Treppenstufen inklusive. „Ein guter Blick von oben ins Gelände“, kommentiert Oberstleutnant Samuel Mbassa trocken, während er Pistorius die Fortschritte auf der Mega-Baustelle zeigt, die sich auf rund 3,5 Kilometer erstreckt.
Der Verteidigungsminister bleibt nur kurz im Tower – ein Fototermin. Trotzdem freut sich Tobias R., militärischer Lotse, über die Kurzvisite des SPD-Politikers: „Es ist ein schönes Gefühl, dass er sich für diesen Standort interessiert.“ Der Minister will Flagge zeigen und sich einen Überblick über die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte verschaffen.
Gigantische Infrastrukturmaßnahme
Der Umbau der Infrastruktur in Büchel sei „eine Mammutaufgabe“, so Pistorius. Die veraltete Tornado-Flotte, teils seit 50 Jahren im Einsatz, wird durch die modernen F35-Kampfflugzeuge ersetzt. Doch das hat seinen Preis: Über eine Milliarde Euro kosten die Arbeiten, deutlich mehr als geplant. Neben einer neuen Start- und Landebahn entstehen ein Hangar, der F35-Campus und ein Sicherheitszaun – alles bei laufendem Betrieb.
Pistorius lobt die Arbeit des Luftwaffen-Verbands und betont die Bedeutung für die Landes- und Bündnisverteidigung. Die NATO-Übung „Arctic Defender“ in Alaska, bei der auch Tornados aus Büchel im Einsatz waren, sei ein voller Erfolg gewesen. Der Ausbau und die Umstellung auf das neue Waffensystem seien „der richtige Schritt in die Zukunft der Luftwaffe“.
Zeitdruck und finanzielle Belastungen
„Der Zeitdruck steht über allem“, sagt ein besorgter Major, der die Baumaßnahmen mitverantwortet. Bis Herbst 2026 muss alles fertig sein, damit die ersten F35 im Jahr 2027 abheben können. Trotz beschleunigter Bauverfahren bleibt die Bürokratie ein Hemmschuh. Pistorius soll die Anliegen der Truppe nach Berlin tragen und umsetzen.
Mit fünf Milliarden Euro weniger im Verteidigungsetat ist Pistorius optimistisch: „Alles ist bis zum Ende durchfinanziert.“ Dennoch zeigt Büchel, dass die Zeitenwende deutlich teurer ausfallen könnte als geplant.
Ein Minister in Bewegung
Nach fünf Stunden in Büchel geht es für Pistorius weiter: Ein Hubschrauber der Luftwaffe bringt ihn zum Weltraumkommando in Uedem, gefolgt vom U-Boot-Geschwader in Eckernförde. Die Sommertour des Verteidigungsministers dauert bis Dienstag an – eine Mammutaufgabe, bei der der Zeitdruck über allem steht.
Mit Humor und einer gesunden Portion Realitätssinn lässt sich festhalten: Wenn ein fehlerhaftes Update der Zeitenwende entgegentritt, dann wird es teuer, hektisch und manchmal auch ein wenig atemlos – doch das Ziel bleibt klar vor Augen.
