Drosten und die „RKI-Leaks“: Keine Verschleierung, sondern Transparenz

Verwirrung um geleakte Dokumente – ein Blick hinter die Kulissen

Geleakte Dokumente des Robert Koch-Instituts (RKI) sollen angeblich beweisen, dass Virologe Christian Drosten wichtige Erkenntnisse bewusst zurückgehalten hat, weil sie der Regierungslinie widersprachen. Doch die Wahrheit ist, Drosten hat seine Bedenken sogar öffentlich gemacht.

Was war passiert?

Ein Online-Portal titelte kürzlich: „Drosten zog wissenschaftliches Papier zurück, da es dem Regierungshandeln widersprach.“ Diese und ähnliche Schlagzeilen erschienen in verschiedenen Medien und auf Social-Media-Kanälen. Alle bezogen sich auf kürzlich veröffentlichte Protokolle und Dokumente des Covid-19-Krisenstabs des RKI, die ein Whistleblower weitergegeben haben soll. Das RKI betonte, die Dateien weder geprüft noch verifiziert zu haben.

Der angebliche Rückzug

In den Leaks findet sich tatsächlich ein Papier von Drosten, doch ob es je zur Veröffentlichung gedacht war, ist unklar. Der Titel „Empfehlung für den Herbst – Ein Plädoyer für Pragmatismus und Fokussierung im Kampf gegen die zweite Welle“ deutet eher auf einen „Textentwurf zur Kommentierung“ hin und nicht auf ein wissenschaftliches Papier, wie behauptet.

Drostens Bedenken

In diesem Entwurf hinterfragt Drosten die Sinnhaftigkeit exzessiver Covid-19-Tests: „In Japan und auch in anderen Ländern wurden bereits Listen von typischen sozialen Situationen erstellt, in denen es häufig zu Übertragungsclustern gekommen ist. Diese sind öffentlich verfügbar und können von Gesundheitsbehörden genutzt werden, um in der Kontakthistorie eines erkannten Falls nach Clustergefahren zu fahnden. Das ist wichtiger als stetiges Testen, denn man kann das Virus ja nicht wegtesten, sondern muss auf positive Tests auch reagieren.“

Er plädierte dafür, nur auf positive Tests von möglichen Clustermitgliedern zu reagieren und betonte, dass die Politik eine entlastende Handlungsrichtlinie für die Gesundheitsämter braucht.

Drosten war transparent

Hat Drosten seine Erkenntnisse aus politischem Kalkül verschwiegen? Nein. Tatsächlich veröffentlichte er seine Bedenken in einem Gastbeitrag für die „Zeit“ am 5. August 2020 unter dem Titel „Zweite Corona-Welle: So können wir einen neuen Lockdown verhindern.“ Er schrieb: „Die gezielte Eindämmung von Clustern ist anscheinend wichtiger als das Auffinden von Einzelfällen durch breite Testung. Japan gelang es, die erste Welle trotz einer erheblichen Zahl importierter Infektionen ohne einen Lockdown zu beherrschen.“

Noch deutlicher im Podcast

In der 54. Folge des Coronavirus-Updates im NDR, der ersten Ausgabe nach der Sommerpause 2020, äußerte Drosten erneut seine Bedenken: „Wenn wir uns die Testzahlen anschauen, die sind sehr, sehr hoch. Die treiben die medizinischen Labore an die Belastungsgrenze und wir finden eigentlich sehr, sehr wenig Positive. (…) Und es ist jetzt nicht so, dass wir sagen können, wir finden jetzt einfach nur wegen des vielen Testens wieder mehr Infektionen gegen Ende Juli, August.“

Fazit

Die Behauptung, Drosten habe ein „wissenschaftliches Papier“ zurückgezogen, ist falsch. Er hat seine in einer Gedankenskizze gesammelten Bedenken gegen die Teststrategie der Bundesregierung klar formuliert und öffentlich gemacht. Manchmal liegt die Wahrheit offen vor uns, wir müssen nur genau hinsehen.

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