In der weiten Welt des Internets gibt es zahlreiche Nachrichtenportale, die um die Aufmerksamkeit der Leser buhlen. Eines davon, der „Aussiedlerbote“, hat sich als besonders kurios herausgestellt. Obwohl die Website den Anschein erweckt, ein seriöses Nachrichtenangebot zu präsentieren, entpuppt sich ein genauerer Blick als wahre Entdeckungstour in die Welt der künstlichen Intelligenz und skurriler Wortkreationen.
Ein Portal mit Phantasie-Nachrichten
Der „Aussiedlerbote“ hat es geschafft, sich in den Google News zu positionieren. Gegründet von in Deutschland lebenden Russen, hatte das Portal zeitweise sogar eine Printausgabe. Doch die Online-Ausgabe hat in letzter Zeit eine seltsame Transformation durchlaufen. Statt professioneller journalistischer Arbeit finden sich dort Artikel, die mehr an eine bizarre Mischung aus Sprachfehlern und Kunstwerken erinnern.
Beispielsweise liest man Überschriften wie „Warum die aktuelle Kritik an der DFB-Mannschaft unhinreissig ist“ oder „David Schumacher jubilt Vatergas Coming-out – Endlich gefunden jemand“. Schon beim Überfliegen dieser Zeilen wird klar: Hier wird die Sprache auf ungewöhnliche Weise verbogen.
KI statt Redakteure: Das Geheimnis der grotesken Texte
Hinter dem „Aussiedlerboten“ steckt nicht etwa eine große Redaktion, sondern künstliche Intelligenz. Die angeblichen Autoren existieren gar nicht. Der ARD-faktenfinder hat herausgefunden, dass die „Redakteure“ wie Mark Rodriguez aus Leipzig und 22 weitere „Mitarbeiter“ lediglich fiktive Figuren sind. Die Profile, die für diese Namen erstellt wurden, sind oft von der Kamera abgewandt oder gar komplett künstlich.
Selbst die Sprachfehler und stilistischen Absonderlichkeiten sind Teil eines Experiments der Firma libersave.com GmbH, die hinter dem „Aussiedlerboten“ steht. Diese IT-Firma verwendet das Portal, um Sprachmodelle zu testen und die Mängel in der Medieninhaltsproduktion aufzuzeigen. Der ursprüngliche Plan, den Journalismus mit Hilfe von KI zu revolutionieren, zeigt sich nun in Form von grotesken Texten und unübersichtlichen Illustrationen.
Die „Autoren“ und ihre sprachlichen Abenteuer
Die Beiträge im „Aussiedlerboten“ wirken oft, als wären sie mit einem Übersetzer-Tool von einer anderen Sprache ins Deutsche übertragen worden – und das nicht besonders sorgfältig. Die KI nimmt bestehende Artikel, verändert sie jedoch so stark, dass sie unkenntlich werden und teils sogar die Botschaft des Originals ins Gegenteil verkehren. Dies führt zu seltsamen Texten und Bildern, die oft mehr Fragen aufwerfen als beantworten.
Die Reaktion der Verantwortlichen
Lev Aronovich, einer der Geschäftsführer von libersave.com, erklärt, dass die „Autoren“ nur fiktive Persönlichkeiten seien, die zur Entwicklung und Prüfung von Sprachmodellen dienen. Er weist den Vorwurf des Plagiats zurück und erklärt, dass die Inhalte der „hoch angesehenen Publikationen“ entnommen, jedoch bearbeitet und ergänzt würden.
In einer Erklärung nach der Anfrage des ARD-faktenfinders gibt das Impressum des „Aussiedlerboten“ nun an, dass es sich um ein Technologieunternehmen handelt, das „die Groteske und die Unvollkommenheit der modernen Welt“ zeigen wolle. Das Portal ist demnach kein gewöhnliches Medienunternehmen, sondern ein Experiment, um die Fähigkeiten und Grenzen moderner KI zu demonstrieren.
Fazit: KI trifft auf Nachrichtenschlamperei
Der „Aussiedlerbote“ zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie künstliche Intelligenz in den Medien eingesetzt werden kann – allerdings auf eine Weise, die nicht unbedingt den höchsten journalistischen Standards entspricht. Statt präziser Berichterstattung gibt es groteske Sprachspiele und unkonventionelle Darstellungen, die eher an ein Kunstprojekt als an seriöse Nachrichten erinnern. Leser sollten sich bewusst sein, dass hinter diesem Portal keine echten Journalisten stecken, sondern technologische Experimente in einer noch sehr unperfekten Phase. Wer also nach verlässlichen Nachrichten sucht, sollte lieber einen anderen Nachrichtenanbieter wählen.