Am 11. Januar 2024 trat die Verordnung 2023/2854 in Kraft, besser bekannt als das europäische Datengesetz. Es regelt den Zugang, Austausch und die Nutzung von in der EU generierten Daten in sämtlichen Wirtschaftszweigen. Doch anstatt einen offenen Umgang mit nicht-personenbezogenen Faktendaten zu fördern, tendiert das Gesetz dazu, ein Eigentumsrecht an Fakten zu etablieren. Am Beispiel von Geodaten lässt sich verdeutlichen, wie freiere Lizenzen für nicht-personenbezogene Daten allen zugutekommen können.
Die Durchführungsverordnung für die Bereitstellung hochwertiger Datensätze empfiehlt im Zuge der Open-Data-Richtlinie die Verwendung international anerkannter Standardlizenzen wie CC-0 oder CC BY 4.0. Dieser Schritt in die richtige Richtung ermöglicht die Wiederverwendung öffentlicher Informationen für jedermann. Obwohl viele, einschließlich der Europäischen Union, diesem Grundsatz folgen, gibt es immer noch nationale Sonderlösungen wie die deutsche Datenlizenz, die nicht mit Creative-Commons-Lizenzen gleichwertig ist.
Die Umsetzung des Datengesetzes betrifft besonders wichtige Datensätze wie Geodaten. Die Open Street Map Foundation betonte bereits im Dezember letzten Jahres, dass staatliche Geodaten vorzugsweise unter einer CC-0-Lizenz veröffentlicht werden sollten. Diese Stiftung formulierte sogar eine Zusatzvereinbarung für den Fall, dass die CC-BY-Lizenz verwendet wird. Warum sind Lizenzen für Geodaten überhaupt notwendig?
Die Creative-Commons-Lizenzen basieren auf dem Urheberrecht und gelten nur für urheberrechtlich geschütztes Material. Geodaten sind jedoch Fakten und unterliegen nicht dem Urheberrecht. Die Frage, ob Geodaten als Fakteninformationen urheberrechtlich geschützt sein können, steht daher im Raum. Umstrittene Schutzrechte wie das Datenbankherstellerrecht in der EU können zum Einsatz kommen, aber die EU strebt eigentlich die Weiterverwendung von Faktendaten an.
Ein konkretes Beispiel aus Bayern zeigt, wie nationale Sonderregelungen und umstrittene Schutzrechte das Potenzial offener Daten behindern. Ein Netzaktivist wurde verklagt, nachdem er Geodaten auf GitHub veröffentlicht hatte. Diese Auseinandersetzung könnte vermieden werden, wenn die Daten von Anfang an unter einer gemeinfrei-ähnlichen CC-0-Lizenz veröffentlicht worden wären.
Die europäische Open-Data-Richtlinie verfolgt das Ziel, die Weiterverwendung von Faktendaten zu fördern. Es wäre einfacher, wenn Informationen des Staats sowie in seinem Auftrag erhobene Daten als amtliche Werke gelten würden und mit der Public Domain Mark gekennzeichnet wären. Solche Faktendaten sollten für Projekte des Freien Wissens leichter zugänglich sein, da es sich nicht um schützbare kreative Schöpfungen handelt, sondern um Fakten, die für alle verfügbar sein sollten. Es ist an der Zeit, Schutzrechte, die das Potenzial offener Daten behindern, abzuschaffen oder zu reformieren, um die Vorteile von Daten der öffentlichen Hand voll auszuschöpfen.