Microsoft steht erneut im Fadenkreuz der EU-Wettbewerbshüter. Der Software-Riese aus den USA sieht sich schweren Vorwürfen aus Brüssel ausgesetzt: Trotz angekündigter Zugeständnisse soll Microsoft seinen Kommunikationsdienst Teams nach Ansicht der EU-Kommission immer noch zu stark an seine Office-Programme gekoppelt haben. Nun droht eine empfindliche Strafe.
„Microsoft muss mehr tun“
Bereits im April hatte Microsoft als Reaktion auf die Vorwürfe angekündigt, Teams weltweit – und nicht nur in Europa – getrennt von den Office-Paketen zu verkaufen. Diese Maßnahme reicht der EU-Kommission jedoch nicht aus. In einer offiziellen Mitteilung hieß es: „Die Kommission hält diese Änderungen vorläufig für unzureichend. Microsoft muss mehr tun, um den Wettbewerb wiederherzustellen.“
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager betonte die Notwendigkeit, den Wettbewerb bei Telekommunikations- und Kollaborationsanwendungen zu erhalten, da dies die Innovation auf diesen Märkten fördere. Die Untersuchung der EU wurde durch eine Beschwerde des Konkurrenten Salesforce ausgelöst, dem die Messaging-App Slack gehört.
Historische Probleme und neue Herausforderungen
Teams, das 2017 als Ersatz für Skype Business auf den Markt gebracht wurde, erlangte während der Corona-Pandemie vor allem wegen seiner Videokonferenz-Funktionen enorme Popularität. Die gemeinsame Vermarktung mit Office verschaffte Microsoft nach Ansicht der Kommission einen unfairen Vorteil im Vertrieb. Zudem gebe es Probleme beim Zusammenspiel von Microsoft-Programmen mit konkurrierenden Messaging-Systemen.
Dies ist nicht das erste Mal, dass Microsoft wegen der Bündelung seiner Produkte unter Druck gerät. In den vergangenen zwei Jahrzehnten musste der Konzern insgesamt 2,2 Milliarden Euro an Strafen zahlen. Diese Summen resultierten aus ähnlichen Vorwürfen der unzulässigen Bündelung von Produkten.
Offene Bereitschaft zur Zusammenarbeit
Microsoft-Chef Brad Smith zeigte sich jedoch bereit, die Bedenken der EU-Kommission auszuräumen: „Wir begrüßen die zusätzliche Klarheit, die wir seit heute haben, und werden weiter an Lösungen arbeiten, um die verbliebenen Bedenken der Kommission zu beseitigen.“
Ausblick
Sollte die EU bei ihrer harten Haltung bleiben, drohen Microsoft Strafen von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Dies wäre ein empfindlicher Schlag für den Tech-Giganten. Die Situation bleibt angespannt, da die EU-Kommission darauf besteht, dass Microsoft weitergehende Maßnahmen ergreift, um den Wettbewerb auf dem Markt für Kommunikations- und Kollaborationsanwendungen zu gewährleisten.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Microsoft in der Lage sein wird, die Forderungen der EU-Kommission zu erfüllen und eine weitere Milliardenzahlung zu vermeiden. Klar ist jedoch, dass der Druck aus Brüssel weiterhin hoch bleibt und die Wettbewerbsregeln in der EU strikt durchgesetzt werden.