Eine besorgniserregende Entwicklung in Ostdeutschland
In den letzten Jahren hat sich eine beunruhigende Entwicklung in Ostdeutschland abgezeichnet: Die Zahl der von Rechtsextremen genutzten Immobilien ist stark angestiegen. Laut Angaben der ostdeutschen Bundesländer befinden sich 61 Prozent der bundesweit 210 rechtsextremen Objekte in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
Zahlen, die alarmieren
Die Statistik der Verfassungsschutzämter zeigt, dass es im Jahr 2022 insgesamt 129 solcher Immobilien in Ostdeutschland gab. Seit 2017 ist diese Zahl um 54 Prozent gestiegen. Besonders dramatisch ist die Situation in Sachsen-Anhalt, wo sich die Zahl der von Rechtsextremen genutzten Immobilien auf 33 vervierfacht hat. In Sachsen gibt es 28, in Thüringen 23, in Brandenburg 22, in Mecklenburg-Vorpommern 15 und in Berlin acht solcher Objekte. Immobilien, die von sogenannten Reichsbürgern genutzt werden, sind in diesen Zahlen nicht enthalten.
Intensivere Erfassung oder realer Anstieg?
Die Zuwächse könnten laut den Innenressorts auch auf eine intensivere Erfassung des Phänomens zurückzuführen sein. Unabhängig davon zeigt die Statistik jedoch, dass die Zahl der von Rechtsextremen genutzten Immobilien in Ostdeutschland überproportional hoch ist.
Die Szene verankert sich in den Kommunen
Bei etwa der Hälfte der Objekte handelt es sich um Gewerbeimmobilien wie ehemalige Gaststätten, Hotels oder Firmengelände. Ein Viertel der Objekte sind Ein- oder Mehrfamilienhäuser beziehungsweise Wohnheime. Weitere Immobilien umfassen Klub- und Vereinshäuser, Hofanlagen, Garagen, Kleingartenanlagen und Freigelände. Diese Immobilien werden für Schulungen, Kampfsportveranstaltungen, Parteiversammlungen oder rechtsextreme Konzerte genutzt. Zudem dienen sie zur Planung von konspirativen Aktionen, was der Szene ermöglicht, sich in der jeweiligen Kommune zu verankern und neue Anhänger anzuwerben.
Rechtsextreme als „Kümmerer“ vor Ort
Ein besonders perfides Vorgehen der Rechtsextremen ist ihr Auftreten als „Kümmerer“. Sie versuchen oft, ihre wahren Absichten zu verschleiern und treten als scheinbar finanzkräftige Investoren oder Helfer in strukturschwächeren Regionen auf. Diese Strategie erschwert es den Kommunen, gegen die Anmietung oder den Kauf von Immobilien durch Rechtsextreme vorzugehen.
Handlungsempfehlungen für Kommunen
Unter Federführung von Sachsen-Anhalt entstand eine Broschüre, die neben einem Lagebild auch Handlungsempfehlungen für Kommunen und private Immobilienbesitzer enthält. „Neben den Sicherheitsbehörden kommt den Verantwortungsträgern in den Kommunen eine wichtige Schlüsselrolle zu“, erklärte Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU). Sie betonte, dass es notwendig sei, geeignete Maßnahmen zu nutzen, um den Kauf oder die Anmietung von Immobilien durch Rechtsextreme zu erschweren.
Die Politik ist gefragt
Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) wies darauf hin, dass Extremisten oft versuchten, ihre Anliegen zu verschleiern oder in der Rolle als Kümmerer aufzutreten. Er appellierte an die Kommunen, wachsam zu sein und aktiv gegen rechtsextreme Bestrebungen vorzugehen.
Fazit: Wachsamkeit ist gefragt
Die Zunahme der von Rechtsextremen genutzten Immobilien in Ostdeutschland ist alarmierend und erfordert eine gemeinsame Anstrengung von Politik, Sicherheitsbehörden und Zivilgesellschaft. Nur durch entschlossenes Handeln und gezielte Maßnahmen kann verhindert werden, dass sich diese gefährlichen Tendenzen weiter ausbreiten.
Die Herausforderung bleibt bestehen: Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass in unseren Städten und Gemeinden kein Platz für Hass und Extremismus ist.